"Sich selber helfen und anderen helfen und damit wieder sich selbst helfen"


Epilepsie ist die zweithäufigste Erkrankung des Nervensystems, 1 - 2% der Bevölkerung Deutschlands leidet darunter und jeder Mensch kann einen Anfall bekommen. Epilepsie ist keine Geisteskrankheit. Sie ist eine organische Erkrankung des Gehirns, die sich in verschiedenen Anfallsformen äußert. Anfälle entstehen durch unkontrollierte Entladungen der Gehirnzellen. Die Mehrzahl der Betroffenen unterscheidet sich weder in der intellektuellen Begabung noch in ihrem Wesen von gesunden Menschen. Die Geschichte beweist, dass auch manche Epilepsiekranke ihre Mitmenschen an Intelligenz überragten, obwohl Epilepsie früher eine unbehandelte Krankheit war. Dostojewski, Paganini, Nobel, Sokrates u.a. leisteten trotz ihrer Epilepsie Überdurchschnittliches.

Ursachen für eine Epilepsie können sein:

  • Hirnschädigungen während der Schwangerschaft
  • Sauerstoffmangel unter der Geburt
  • Gehirn- und Hirnhautentzündungen
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Hirntumore und
  • andere unbekannte Faktoren

Epilepsie ist eine Krankheit, die nicht nur im körperlichen Bereich Auswirkungen hat, sondern auch im sozialen Bereich Beeinträchtigungen mit sich bringt. Die jahrhundertelange Diskriminierung beruht auf Unwissenheit und Aberglauben und ist durch nichts gerechtfertigt, denn Epilepsie ist eine Krankheit wie jede andere auch. Die Behandlung erfolgt mit Medikamenten und kann durch alternative Therapien ergänzt und unterstützt werden. In seltenen Fällen bringt erst eine Operation eine Heilung.
In 60 - 80% der Fälle bringt eine richtige medizinische Behandlung eine Anfallsfreiheit.

Wie sieht ein großer epileptischer Anfall in der Regel aus:

Der Betroffene verliert das Bewusstsein und stürzt oft mit lautem Schrei zu Boden. Die Atmung stockt für einige Sekunden (was evtl. zu Blaufärbung des Gesichts führen kann). Dann folgen heftige, stoßweise Zuckungen der Arme, Beine und Gesichtsmuskeln. Es kann sich Schaum vor dem Mund bilden, durch Zungen- oder Wangenverletzungen kann der Schaum auch blutig sein. Doch trotz des bedrohlichen Aussehens sind diese Anfälle nicht lebensgefährlich. Der Anfall dauert in der Regel nur 1-2 Minuten. Manche Betroffene sind nach dem Anfall verwirrt und brauchen Ruhe. Immer gleich einen Arzt zu rufen ist nicht notwendig.

Was tun bei einem Anfall:

  • Ruhe bewahren
  • Platz um den Bewusstlosen freimachen (Verletzungsgefahr ausschließen)
  • beengende Kleidungsstücke am Hals lockern
  • Kopf polstern
  • seitliche Lagerung (nach Ende der Krämpfe)
  • nach dem Anfall Hilfe und Begleitung anbieten

Was nicht tun:

  • die Lage des Betroffenen nicht ändern, es sei denn, er ist in Gefahr
  • Krampferscheinungen nicht durch Festhalten unterdrücken
  • nicht versuchen, den Betroffenen aufzurichten
  • nichts zu trinken geben
  • keinen Beißkeil oder ähnliche Gegenstände in den Mund schieben
  • nach dem Anfall nicht unnötig aufdrängen

Bei Verletzungen oder wenn der Betroffene nach 10 Minuten noch ohne Bewusstsein ist, bitte einen Notarzt rufen.